Kain erschlug seinen jüngeren Bruder Abel

The romanticized woodcut engraving of Flavius ...

The romanticized woodcut engraving of Flavius Josephus appearing in William Whiston’s translation of his works. (Photo credit: Wikipedia)

Kain (hebr. ‏קין‎, arabisch ‏قابيل‎ Kabil) ist gemäß der Erzählung der Bibel (1. Buch Mose) und des Korans der erste Sohn von Adam und Eva, den ersten Menschen, die Gott auf der Erde erschaffen hatte. In der biblischen Darstellung Gen 4,1–16 LUT erschlug Kain seinen jüngeren Bruder Abel. Der Koran erzählt die Geschichte mit verändertem Akzent und ohne Namensnennung in Sure 5:27–31.

In Gen 4,1–24 EU findet sich die biblische Erzählung über Kain und Abel, die ältesten Söhne Adams und Evas. Kain, der Ackerbauer, war neidisch auf seinen Bruder Abel, den Hirten, weil Gott dessen Opfer vorzog. In der Folge kamen ihm böse Gedanken, er hörte nicht auf die Ermahnungen Gottes und erschlug schließlich seinen Bruder. Damit wurde er laut Bibel und Koran zum ersten Mörder. Kain wurde für seine Tat von Gott verstoßen, jedoch als Zeichen für den weiteren Schutz durch Gott mit dem so genannten Kainsmal versehen.

Title page of the first German translation of ...

Title page of the first German translation of the Qur’án in 1772: „The Turkish Bible, or the very first German translation of the Qur’án from the Arabic original“ by Professor M. David Friederich Megerlin 1772 (Photo credit: Wikipedia)

Die Erzählung von Kain und Abel folgt in der Bibel direkt auf die Geschichte vom Sündenfall. Beide Erzählungen sind parallel gestaltet. Während jedoch in der ersten Erzählung ein „vertikales“ Vergehen beschrieben wird (Menschen vergehen sich gegen Gott), wird nun ein „horizontales“ Vergehen beschrieben: Menschen töten sich gegenseitig.
„Kains Brudermord“ im Ulmer Münster von Hans Acker, um 1430

Gemäß dem biblischen Bericht zeugten Adam und Eva viele weitere Kinder. Kain übersiedelte in das Land Nod, wo er eine Familie und eine Stadt namens Henoch gründete.

Die Darstellung endet mit der Wiedergabe des Stammbaums von Kain, durch den das Wachsen der Menschheit verdeutlicht wird. Anders als bei den Nachkommen des Set, des nachgeborenen, dritten Sohns Adams und Evas, werden die Lebensalter dieser Urväter nicht angegeben. Da die Nachkommen Kains bis zur Sintflut aber nur sieben Generationen umfassen (Henoch, Irad, Mehujael, Metuschael, Lamech, und dessen Kinder), anstatt der neun Generationen nach Set, müssten die Kainiten sogar noch höhere durchschnittliche Lebensalter als diese erreicht haben. Zu Kains Nachkommen gehören Jubal, Stammvater der Zither- und Flötenspieler, Tubal-Kain, Stammvater der Schmiede, und Jabal, Stammvater der Hirten, sowie deren Schwester Naama.

Da laut (Gen 6 EU) in der großen Flut alle Menschen außer Noach und seiner Familie umkamen, stellte sich die Frage, wie die Söhne Lamechs zu Begründern wichtiger Berufsgruppen werden konnten. Dies wurde in der jüdischen Tradition beantwortet, indem man die (in der Bibel namenlosen) Frauen Noachs und seiner drei Söhne Sem, Ham und Jafet zu weiblichen Nachkommen Lamechs erklärte. Allerdings wurden die „Menschentöchter“, die mit den „Gottessöhnen“ die Nephilim zeugten, die Riesen und Helden der Vorzeit, ebenfalls traditionell mit den weiblichen Nachfahren Kains identifiziert, die entweder die Engel zum Abfall von Gott verleiteten, oder die frommen Nachfahren des Set zum Götzendienst verführten.

Noch in der Zeit der geteilten Königreiche von Israel und Juda existierte ein Stamm der Keniter (anscheinend ein Clan von nomadischen Wanderschmieden), die sich auf Kain zurückführten (Num 24,21 EU).
Legendarisches

Der Legende nach soll die Bluttat Kains in einer Grotte an dem Berg Jabal Arbain, nordwestlich von Damaskus, geschehen sein. Dort befindet sich heute eine kleine Moschee. Das angebliche Grab Abels befindet sich an der heutigen Autobahn zwischen Damaskus und Beirut, ca. 30 km vom Jabal Arbain entfernt.
Frühe Rezeptionsgeschichte

Flavius Josephus schrieb über Kain, dass er ein sehr schlechter Mensch war. Seine Nachkommen beschrieb er als mordend, vergewaltigend, sich bereichernd.[2] Von den ersten Christen wurde Abels Ermordung als Vorläufer aller Vergehen an Unschuldigen begriffen. Auch die Kreuzigung Jesu wird in diesen Zusammenhang eingereiht (vgl. Mt 23,35 LUT; Lk 11,50f. LUT) sowie die Christenverfolgungen im Römischen Reich. Im neutestamentlichen Judasbrief EU wird Kain zum Sinnbild des Menschen auf falschem Wege. Nach 1 Joh 3,12 LUT stammt Kain vom „Bösen“ ab, was sich mit jüdischen Legenden trifft, die nicht Adam, sondern Satan zum Vater Kains machen. All diese Varianten widersprechen jedoch der biblischen Aussage. Denn hier bleibt der Schutz Gottes über Kain trotz der Tat bestehen.

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten bezog sich nach Angaben des Kirchenvaters Epiphanius von Salamis die gnostische Sekte der Kainiten auf Kain als Träger der Erkenntnis.

In den Apokryphen ist Kain auch unter dem Namen Adiaphotos zu finden.

In seinen Antiquitates Judaicae beschreibt der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus, wie Kain die von Gott erschaffene einfache Ordnung des Lebens kompliziert machte, indem er Städte mit Mauern errichten ließ und zum Beispiel das Maß erfunden haben soll. Flavius‘ Darstellung Kains deckt sich streckenweise mit dem biblischen Bericht und teilt mündliche jüdische Tradition mit.

In der christlichen Kunst steht die Ermordung Abels durch Kain häufig als Symbol für den Opfertod Jesu Christi.

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