Die Erzählung von der Opferung Isaaks

EU NO

EU NO (Photo credit: Wikipedia)

Die Erzählung von der Opferung Isaaks (Gen 22,1–19 EU) – die rabbinische Theologie spricht von der „Bindung“ (hebr. עֲקֵידָה akedah) – findet sich im 1. Buch Mose im Rahmen der Erzvätergeschichten (Gen 12–50), hier wiederum innerhalb der Abraham-Erzählung (Gen 12–25). Im Sinn einer kanonisch-intertextuellen Bibelauslegung bildet der ganze Pentateuch, letztlich die gesamte Bibel in ihrer inneren Einheit einschließlich des Neuen Testaments (die Opferung des „geliebten“ Sohnes Gottes durch Gott-Vater) den Kontext der Interpretation.

Im engeren Sinn gehören zum Kontext insbesondere

  • Exodus und Paschafest (Ex 12 EU),
  • der Bundesschluß am Sinai (Ex 19–20EU),
  • die Glaubensprüfung bzw. -erprobung Israels auf dem Zug durch die Wüste gleich einer „Erziehung“ des Sohnes durch den Vater (Dtn 8,2–6 EU)),
  • die Vorschriften für die verschiedenen Tempelopfer (Lev 1–9 EU), vor allem des Brandopfers (Lev 6,1–6 EU; 7,28–38 EU) und des Widder- bzw. Lammopfers (Ex 29,15–28 EU),
  • sowie die Vorschriften für die Kultstätte (Dtn 12 EU).[1]

Über die Entstehungszeit des Textes gibt es keine sichere Erkenntnis. Die neuere Forschung tendiert zu einer eher späten Zeit, weil alle großen Themen des Pentateuch vorausgesetzt sind – eine „späte Erweiterung eines schon sehr weit entwickelten Pentateuch“– und integral zu einer Gesamtschau des biblischen Gottesverständnisses zusammengeführt werden. Darum handelt es sich bei dem Text um eine „theologische Summe“ von großer Aussagedichte und Hintergründigkeit. Die „theologische Lehrerzählung“ aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert stellt „eine Glaubensorientierung fundamentaler Art über den Weg Israels mit Jahwe“ dar; nach ihrer literarischen Gestalt handelt es sich um eine „parabolische Geschichtsdarstellung“, so daß „nicht die empirisch faßbaren Vorgänge, sondern deren metahistorischer Aussagegehalt“ zur Darstellung gelangt, weshalb die historisch-geographischen Angaben (aber nicht nur sie) „typologisch-symbolisch auszulegen“ sind.

Zu beachten ist hier vor allem die Symbolik des Berges und des Namens Morijah, die einen inneren „Aufstieg“ zur Einheit der Gegensätze andeutet, wie es die Christliche Mystik verstand und etwa in der coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues begegnet.

Die Bewahrung Isaaks vor dem Tod im letzten Augenblick durch himmlische Verfügung (Gen 22,12) bedeutet nicht, daß die Opferung nicht stattgefunden hätte oder unvollendet geblieben wäre (vgl. Hebr 11,17 EU; Jak 2,21 EU),

sondern sie wird in der jüdischen wie christlichen Überlieferung als Hinweis auf die darin präfigurierte Überwindung des Todes zum neuen Leben der Auferstehung verstanden (Hebr 11,19 EU).

Die Erzählung wirft die schwierige Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft (Ethik) auf, was zumindest nach katholischer Lehre in keinem prinzipiellen Widerspruch stehen kann (s. Fides et Ratio).

Eine äußere Nachahmung Abrahams (s.u. 9) verkennt den hintergründigen Sinn des Textes.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: