Die jüdische Erfindung vom Exodus aus Pharaos Hand in Ägypten…

Exodus Sinai

Exodus Sinai (Photo credit: Wikipedia)

Der Begriff Auszug aus Ägypten (auch Exodus) bezeichnet in der Überlieferung des Alten Testaments die Auswanderung der Israeliten aus Ägypten. Die biblischen Erzählungen, die über weite Teile den Traditionen der Wüstenwanderung und Gesetzgebung gewidmet sind, sind im 2. bis 5. Buch Mose enthalten.

Die biblische Überlieferung stützt sich auf im späteren Israel tradierte Schriften, die in übersteigerter Form von Gotteswundern und anderen mythischen Ereignissen erzählen.

Die so verwendete Form der Heilsgeschichte vom Auszug aus Ägypten stellt den Versuch dar, die nomadischen Vorfahren mit den späteren Israeliten genealogisch zu verbinden. Die Josephsgeschichte dient hierbei als literarisches Bindeglied, um die späteren Israeliten anachronistisch mit den zahlreichen Nomadenvölkern auf eine Stufe zu stellen und als gemeinsame Vorfahren zu erklären.

Archäologische Befunde und Untersuchungen der Texte legen eine Verknüpfung verschiedener historischer Epochen zu einem Gesamtwerk nahe, das auf Grundlage der vorliegenden Überlieferungen im 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr. eine endgültige zusammenführende Überarbeitung erfuhr.

Professor Sir William Matthew Flinders Petrie

Professor Sir William Matthew Flinders Petrie (Photo credit: Wikipedia)

Auf Basis der jüdischen Zeitrechnung datierten jüdische Historiker den Auszug auf das Jahr 1312 v. Chr. (Jahr 2448 der jüdischen Ära).

Die Frage zur Datierung des Auszugs aus Ägypten ist oft durch mehrere Autoren als beantwortet erachtet worden: Falls ein Exodus je stattgefunden hat, dann im 13. Jahrhundert v. Chr. unter Ramses II. oder unmittelbar danach unter Merenptah.

In der früheren Forschung galt diese Datierung auch durch die Merenptah-Stele belegt: So vermutete Flinders Petrie, daß die Stele von einer militärischen Konfrontation mit den ausziehenden Israeliten berichtete (vgl. →Landnahme Kanaans#Die Stele des Merenptah).

Viele andere Pharaonen waren mit verschiedenen Argumenten als „Pharao der Unterdrückung“ oder als „Pharao des Exodus“ oder als beide betrachtet worden:

Heute vertreten nur vereinzelte Autoren Hypothesen, die ein Datum vor dem 13. Jahrhundert für den Exodus vorschlagen, etwa die, die nach der Angabe des masoretischen Texts von 1_Kön 6,1 EU ein Datum um 1445 vor Chr. (480 Jahre vor dem Bau des Tempels in Jerusalem durch Salomo um 967 ca. vor Chr.) annehmen. Diese „frühe Datierung“ um 1445 vor Chr. würde auch mit der Angabe in Ri 11,26 EU übereinstimmen, nach der in der Zeit Jiftachs Israel die Gebiete des Ostjordanlandes bereits seit 300 Jahren besaß.

Die abweichende Lesung von 1. Kön 6,1 der Septuaginta, in der von 440 statt 480 Jahren die Rede ist, würde den Beginn der Landnahme um die Mitte des 14. Jahrhunderts setzen, die genau jene Zeit der Unruhen ist, wovon die Amarna-Briefe zeugen. Diese Datierung würde sowohl mit einer Identifizierung der Frühisraeliten mit den ʿapiru der Amarna-Briefe oder einer anders gearteten Relation zwischen diesen Gruppen, wie sie zum Beispiel von den Befürwortern des Revoltenmodells, aber auch von „Minimalisten“ (N. P. Lemche und G. Ahlström) postuliert worden ist, als auch mit den politischen Änderungen, die im Nildelta nach der Vertreibung der Hyksos stattfanden, zusammenpassen: Als Semiten seien die „Hebräer“ in Verbindung mit den Hyksos gebracht worden und hätten das Vertrauen des neuen Herrschers nicht gewinnen oder wiedergewinnen können, wie Ex 1,8.10 EU andeutet.

Problematisch für die „frühe Datierung“ des Exodus bei Beibehaltung der biblischen Überlieferung von dem Frondienst war das Fehlen von Spuren größerer Bauunternehmungen aus dieser Zeit in den Städten, die für Pithom und (Pi-)Ramesse in Betracht gezogen worden sind. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts sind jedoch Reste von Gebäuden aus der Anfangszeit der XVIII. Dynastie (1500–1450) in Tell el-Dab῾a in der Nähe von Qantir (Pi-Ramesse) ausgegraben worden, die die Archäologen als Speicher-Einrichtungen klassifiziert haben.

English: Flinders Petrie c. 1886 Deutsch: der ...

English: Flinders Petrie c. 1886 Deutsch: der Archäologe Flinders Petrie um das Jahr 1886 (Photo credit: Wikipedia)

Die Auffassung, daß der Auszug aus Ägypten im 13. Jahrhundert unter Ramses II. oder seinem Nachfolger stattgefunden habe, ist nicht allein aus der verbreiteten Annahme hervorgegangen, daß die Benennung der von „Pithom und Ramses“ (Ex 1,11 EU; 12,37 EU; Num 33,3.5 EU) eine historisch zuverläßliche Angabe sei: Da der Name der von Ramses II. gegründeten Hauptstadt nach dem Ende der Dynastie der Ramessiden in Vergessenheit geraten sei, so weise die Nachricht in Ex 1,11 entweder auf einen Ursprung dieser Überlieferung in dem 13. Jahrhundert hin oder sie ist eine Glosse aus dieser Zeit zu einem früher entstandenen Text. Diese Annahme kann also eine frühere Datierung nicht ausschließen: Einer der Hauptgründe für den Erfolg der „späten Datierung“ war die Übereinstimmung derselben mit dem nunmehr veralteten conquest model von Albright und Wright der Landnahme Palästinas (vgl. →Landnahme Kanaans#Eroberungsmodell).

Ein noch späteres Datum (12. Jahrhundert) für den Exodus hat Gary Rendsburg vertreten, der die Anspielung auf die Furcht vor einem Krieg im „Philisterland“ (Ex 13,17 EU) nicht als spätere Glosse, sondern als Erinnerung an die in jener Zeit stattfindende Migration der Seevölker versteht.

Comments
One Response to “Die jüdische Erfindung vom Exodus aus Pharaos Hand in Ägypten…”
  1. Nasi Chaim Dönitz einzig wahrer Freund der Juden auf der Welt sagt:

    Reblogged this on alexanderplatz 1 berlin – wir sehen uns.

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